Ratgeber

Neues Mauerwerk austrocknen: wie lange es dauert und was du beschleunigen kannst

Neues Mauerwerk sieht oft schon nach ein paar Tagen trocken aus. Innen steckt aber noch lange Wasser: aus dem Mörtel, aus dem Regen während der Bauzeit und vor allem aus dem Innenputz. Wer zu früh dicht macht, tapeziert, streicht oder Möbel an die Wand stellt, riskiert Schimmel und Flecken. Hier steht, womit du rechnen musst.

Woher das Wasser kommt

Beim Mauern selbst kommt mit dem Mörtel Wasser in die Wand. Den größten Teil bringt aber der Innenputz: Ein Kalk- oder Kalkzementputz wird nass aufgetragen und gibt sein Wasser über Wochen an den Raum ab. Dazu kommt, was während der Rohbauphase an Regen in offene Mauern läuft. Beton und Estrich haben ebenfalls einen hohen Wasseranteil. Diese Baufeuchte ist ganz normal. Sie muss nur sicher heraus, bevor die Wände geschlossen werden.

Wie lange es dauert

Eine feste Zahl gibt es nicht, zu groß sind die Unterschiede bei Steinen, Wandstärke, Putz und Wetter. Als grobe Orientierung: Innenputz braucht unter guten Bedingungen etwa einen Tag pro Millimeter Putzstärke, bis er streichfähig ist, bei Kälte und hoher Luftfeuchte deutlich länger. Das Mauerwerk dahinter trocknet über Monate weiter aus, oft dauert es die erste Heizperiode, bis ein Neubau seine Ausgleichsfeuchte erreicht hat. Deshalb wird in einem neuen Haus im ersten Winter mehr gelüftet und geheizt als später.

Was beim Austrocknen schiefgeht

Der häufigste Fehler ist zu wenig Luftwechsel: Die Feuchtigkeit aus Putz und Mauerwerk geht in die Raumluft, und wenn sie dort bleibt, schlägt sie sich an den kältesten Stellen nieder. Das sind Außenecken, Fensterleibungen und Wände hinter Möbeln, an denen die Luft steht. Dort beginnt Schimmel, oft schon im ersten Winter. Ein zweiter Fehler ist zu viel Hitze zu früh. Frischer Putz braucht zum Abbinden seine eigene Feuchtigkeit, wer ihn in den ersten Tagen mit Heizkanone und Zugluft trocknet, bekommt Risse und schlechte Haftung.

Bautrockner und Heizer richtig einsetzen

Nach den ersten Tagen, wenn der Putz angezogen hat, beschleunigt ein Kondenstrockner die Trocknung deutlich. Er arbeitet im geschlossenen Raum, unabhängig vom Wetter draußen, und zeigt dir an der Wassermenge, wie viel noch in den Wänden steckt. Im Herbst und Winter bringt ein Elektroheizer den Raum zusätzlich auf eine Temperatur, bei der der Trockner gut arbeitet, idealerweise 15 bis 20 Grad. Bei mehreren Räumen stellst du lieber in jeden Raum ein Gerät, als ein großes in den Gang zu stellen: Feuchte Luft wandert nur langsam durch die Türen. Neubau im Winter: Heizen und Trocknen kombinieren

Wann du weiterarbeiten kannst

Ein guter Hinweis ist der Bautrockner selbst: Holt er jeden Tag deutlich weniger Wasser aus dem Raum, nähert sich die Wand dem trockenen Zustand. Ein Hygrometer im Raum hilft ebenfalls, bleibt die Luftfeuchte bei geschlossenem Raum und ohne Trockner unter etwa 60 Prozent, ist das meiste geschafft. Vor dem Streichen mit dichten Farben, dem Tapezieren oder dem Verlegen von Fliesen und Böden gehört die Feuchte aber gemessen, das macht der jeweilige Fachbetrieb. Diffusionsoffene Farben wie Kalk- oder Silikatfarbe verzeihen etwas Restfeuchte eher als dichte Dispersionsfarben.

Im ersten Jahr: Abstand halten

Auch wenn die Wände trocken wirken, gibt ein Neubau im ersten Jahr noch Feuchtigkeit ab. Stelle Kästen und Regale an Außenwänden mit ein paar Zentimetern Abstand auf, damit die Luft dahinter zirkulieren kann. Lüfte regelmäßig stoßweise und heize alle Räume, auch die, die noch nicht genutzt werden. Im Keller eines Neubaus ist die Baufeuchte oft besonders hartnäckig, dort lohnt es sich, die Luftfeuchte im Auge zu behalten. Feuchter Keller: was tun?

Kurz zusammengefasst

  • Den meisten Wasseranteil bringt der Innenputz, nicht der Stein.
  • Faustwert für Innenputz: rund ein Tag pro Millimeter, bei Kälte länger.
  • In den ersten Tagen nicht mit Hitze und Zugluft trocknen, das gibt Risse.
  • Danach Raum schließen, Bautrockner durchlaufen lassen, im Winter mit Heizer auf 15 bis 20 Grad.
  • Vor dem Streichen, Tapezieren oder Verlegen die Restfeuchte messen lassen.

Fachlich geprüft von David Klappacher, Bautechniker (Fachschule für Bautechnik, HTBL Saalfelden) und Inhaber von toolrent.

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